“In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem’ kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der ,Weltgeschichte’: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben. – So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt; es gab ,Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben.” (1)
In diesem Nietzsche – Zitat zeigt sich der europäischen Nihilismus in seiner ganzen Wucht. Gott ist tot! Die alte Metaphysik, nach der der Mensch im Zentrum der Welt stand, fähig, absolute Wahrheit und Wert zu erkennen, ist, so scheint es, zertrümmert. Nietzsche beansprucht mit dem Nihilismus den geistigen Zustand unserer Zeit zu beschreiben. Die Erlösung verspricht Nietzsche durch die Heiligung des Diesseits, das in der Zukunftsvision dem zukünftigen Übermenschen gelingt. Heute ist die Zeit des “letzten Menschen”, von dem Zarathustra sagt:
“Seht, ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? … So fragt der letzte Mensch und blinzelt. Die Erde ist klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht….Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln. …Ein wenig Gift ab und zu; das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben….Man ist klug und weiß Alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten….Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln.”
Das ist, so Nietzsche, der verächtlichste Mensch, den R. Spaemann den “banalen Nihilisten” nennt.
Fontane läßt in seinem Roman “Der Stechlin” den alten Stechlin sagen:
“Jetzt hat man statt des wirklichen Menschen den sogenannten Übermenschen etabliert; eigentlich gibt es bloß noch Untermenschen und mitunter sind es gerade die, die man durchaus zu einem “Über” machen will. Ich hab von solchen Leuten gelesen und auch welche gesehen….”
“Die Wüste wächst.” (2)
1. Aus : Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne
2. Aus: Also sprach Zarathustra

Ja, eben jene “Ewigkeiten” sind problematisch, denn, wie Shakespeare sagt, selbst der Himmel und alle Sterne halten sich ans Mehr oder Weniger und vor allem ans Mass (= “proportion” = Verhältnismässigkeit?)
Schade, dass der ältere Nietzsche das nicht zur Kenntnis nahm. Geschichte hat nichts mit Ewigkeiten zu tun. die paar tausend Jährchen Geschichte stehen in keinem Verhältnis zu den Zeit- und Raumgegebenheiten, mit denen die Darwinisten etc umherspuken und die New Ager Poetik betreiben.
Schade auch, dass Goethe dies nur im Nachhinein sah und auch nicht sonderlich betonte, ausser als Ordnungssinn..
Nein, die Sache ist viel ernster, als daß ein Streit um Worte dem gerecht werden könnte. Das Zitat reflektiert die Erkenntnis der Wissenschaft (Physik, Biologie) und macht darin die schreckliche Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens und des Lebens überhaupt sichtbar. Es ist ein bodenloser Abgrund! Man sollte den Text mehrmals lesen.
Ich kenne Nietzsches Gesamtwerk recht gut, habe hierher ( Spanien) aber nur etwa vier Bände mitgebracht. Auch jene Zitate kannte ich. Es ist nicht ein “Streit um Worte”, sondern eine Perspektive. Es lohnt sich daher, in den Briefen nachzulesen, wie er sich selbst privat sah, seine Mutter, seine Schwester als für ihn beschämende Geschöpfe ansprach.
Leider sind die Briefe, soviel ich weiss, nur auf Englisch online.
http://www.geocities.com/thenietzschechannel/nletters.htm
Gutenberg führt das Gesamtwerk, aber ohne Briefe und allgemein unübersichtlich.
Was bedeutet “eine Perspektive” in diesem Kontext?
“Perspektive” bedeutet “Sehweise”, in diesem Kontext Nietzsches.
Ich weiß, was das Wort bedeutet, aber nicht was die besondere Sehweise in diesem Text sein soll, die Du meinst.
Die Wissenschaften liefern Daten, aber nicht deren Interpretation.
Der ältere Nietzsche sah sich selbst als der beste Kopf Europas. Wie nennt man doch diesen Hang?
Man sollte von seinen frühen Schriften lernen. In seinem Fall gilt ganz besonders “Alter schützt vor Torheit nicht”.
Ich finde vor allem Nietzsches Definition der Wahrheit als ein “Bewegliches Heer von Metaphern” in der heutigen Zeit sehr fruchtbar. Gottes tot, in all seinen von Nietzsche implizierten Facetten, ist in unserer Zeit eigentlich schon relativ eingebürgert. Die Sinnsuche geht auch nach Gottes tot weiter, nur auf anderen gebieten.
Gottes tot hat auch die Konsequenz, dass wir uns nicht auf ein wesenhaftes “so sein” der Dinge berufen können. Deswegen das Heer der Metaphern, nicht ein Heer der Essenzen. Auf der einen Seite kann man es pessimistisch sehen als niederschmetternden Nihilismus. Auf der anderen Seite optimistisch als die Eröffnung vieler neuer Möglichkeiten…
Hallo Sebastian!
Auf diesen Satz:
“Gottes tot, in all seinen von Nietzsche implizierten Facetten, ist in unserer Zeit eigentlich schon relativ eingebürgert.”
eine Hölderlinstrophe:
Ach! Der Menge gefällt was auf den Marktplatz taugt,
Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
An das Göttliche glauben
Die alleine, die es selber sind.
Nietzsches Satz, daß es keine Wahrheit gibt ist wohl auch selbstwidersprüchlich!
Und welche neuen (letztlich sinnlosen) Möglichkeiten eröffnen sich?
Immer vorausgesetzt, daß die ganze nihilistische Sicht stimmt, was ich nicht glaube..
Deine Strophe erinnert mich daran, dass ich unbedingt mehr von Hölderlin lesen muss : )
Die Wahrheit als bewegliches Heer von Metaphern zu sehen heißt nicht, dass es nichts gibt, was “wahr” genannt werden würde. Wir hatten die selbe Problematik bei Rorty ; ) Es geht einfach darum, dass man Meinung und Wissen nicht trennen kann. Denn wie auch, wir haben keinen objektiven, neutralen Boden, von dem aus wir beurteilen könnte, was sich nun auf das Wesen der Dinge bezöge und was bloßeirrige Meinung ist.
und wenn keine Seite sich in einer Diskussion auf eine ewige, wesenhafte Wahrheit berufen kann, dann bleibt zu hoffen, dass dem besseren Argument und der Toleranz mehr Platz eingeräumt wird.
Sebastian:
Die Naturwissenschaften haben seit langem weltweit gültige Begriffe. Seit langem unterscheidet man dort messerscharf zwischen Meinung und Gewissheit. Neuerdings laufen sogar medizinische Resultate mit Prozentsätzen der Gewissheit ein.
Alles andere, wie schon Kant aufgeschrieben hat, hängt eben vom Menschen und seinen Absichten ab, ist aber noch lange nicht “blosse irrige Meinung”, sondern geht eher in Richtung rechtlicher und begrifflicher Klarstellung.
“Vom Glauben, Meinen, und Wissen” = Endkapitel von Kants Kritik.
@Sebastian
Ich sehe das so: Die Welt hat eine logische Struktur (Naturgesetze, Mathematisierbarkeit, Woher kommt eigentlich die Mathematik?). Der Mensch kann diese logische Struktur und damit Wahrheit erkennen, weil sich sein Erkenntnisvermögen in der Evolution in Wechselwirkung mit diesen logischen Strukturen entwickelt hat (hypothetischer Realismus). – Sicher haben wir keinen Blick- Gottes – Standpunkt hinsichtlich der Wahrheit, was jedoch nicht bedeutet, daß man daraus den Schluß ziehen kann, daß alle Wahrheit relativ ist. Hat nicht das große Ansehen, das die Naturwissenschaft heute mit Recht genießt, einen Grund darin, daß sie allein intersubjektiv anerkannte Wahrheit (wenn auch hypothetische) von Objekten! aufgrund ihrer Methode formuliert? Diese Wahrheit ist doch ihrem Wesen nach nicht eine unter vielen und Gegenstand von Abstimmungen.
@cantueso
Ich glaube, daß der Begriff Gewissheit im Sinne von absolut sicherem Wissen in der Naturwissenschaft zwar praktisch, nicht jedoch theoretisch eine Rolle spielt. Insofern ist Dein Hinweis auf Wahrscheinlichkeitsaussagen wohl berechtigt. Die Wahrscheinlichkeit, daß morgen die Sonne aufgehen wird, ist nicht gleich 100%, aber wenn wir glauben, daß das Induktionsverfahren als Schlußverfahren von Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Zukunft hinein gültig ist, werden wir wohl eine Wette auf diese Vorhersage eingehen.
@
Ist die Anwendbarkeit des Induktionsverfahrens (Man kann von vergangenen auf zukünftige Ereignisse schließen.) nicht ein synthetischer Satz apriori?
Die Naturwissenschaft hat es keineswegs mit den “wahren Objekten” zu tun, sondern jederzeit mit unseren Interpretationen von Objekten. Rorty schreib auch, dass über ganz basale “Gewissheiten” Einigkeit herrscht (was aber nicht bedeutet, dass da ein “Wesen der Dinge” dahintersteht), diese aber vollkommen uninteressant sind. Auf die Aussage “Dieser Stein fällt zu Boden, wenn ich ihn loslasse.” kann ich entweder antworten “Ja” oder “Was ist ein Stein?” oder “Wird das immer passieren, woher weißt du das?”. Alle diese Fragen sind aber nicht besonders Spannend. Und die letzte vor allem nicht beantwortbar.
Ich habe auch nie behauptet, Meinung sei “bloß irrig” das zu lesen ist immernoch ein Überbleibsel des Platonismus.
Wenn jemand sagt “Es ist so wie ich sage, weil das ist die Wahrheit” und ich bin anderer Meinung, überzeugt mich der Hinweis auf die Wahrheit nicht. Im besten Falle glaube ich einfach nicht, dass mein Gegenüber wirklich die “Wahrheit” gefunden hat. Überhaupt, wie Rorty sagte, ist es passender, die Wahrheit als etwas zu sehen, das gemacht wird, nicht als etwas, das gefunden wird. Das ist natürlich im Feld des zusammenlebens spannender als in Naturwissenschaften, die aber auch jederzeit als eine handlung der menschlichen Lebenswelt und nicht als “an den Sachen selbst befindlich” gesehen werden muss.
Ich weiß, dieser Pragmatistische Gedanke ist in Europa nicht weit verbreitet, ich finde ihn aber sehr zutreffen. Das Paradebeispiel dafür ist die französische Revolution, in der eine “Wahrheit” über Nacht durch eine andere ersetzt wurde.
Nun, was die Wahrheit betrifft, so scheint mir nach wie vor die Korrespondenztheorie der Wahrheit vernünftig zu sein. In diesem Rahmen würde ich den Ausdruck “Interpretation von Objekten” sehen.
Was mir an dem Rortyschen Steinbeispiel nicht gefällt, ist die Bagatellisierung der Problematik. Für mich sind diese Fragen schon interessant, steckt doch hinter der letzten das Induktionsproblem und hinter der ersten das Materialismusproblem.
Welchen Zweck hat diese Bagatellisierung?
Dient sie dazu das Problem so zurecht zu stutzen, daß schließlich die Wahrheitfrage nur noch zu einem pragmatischen Problem im politischen und soziologischen Umfeld wird?
Die Wahrheit legimiert sich natürlich nicht dadurch, daß ich lediglich behaupte, die Wahrheit zu sagen. In der Naturwissenschaft legimiert sie sich doch, cum grano salis, dadurch, daß die Sache funktioniert, auch wenn dadurch keineswegs eine endgültige Wahrheit gesichert ist.
Ich glaube auch nicht, daß die Wahrheit, die sich z.B. in den Gesetzen der Himmelsmechanik ausdrückt, nur gemacht ist, sie wurde entdeckt.
Und wurde nicht in der franz. Revolution eine Regierungsform durch eine andere ersetzt oder anders gesprochen, wird der Wahrheitsbegriff nicht überdehnt, wenn man ihn so wie in Deiner Antwort anwendet?
Ich verstehe nicht, wieso dort wo der Glaube fehlt, sogleich ein unerhörtes Begriffsystem wuchert.
Diese ganze Untergangsphilosophie wäre ja ein unerhörter Witz, wenn einer wirklich glauben wollte, das sei nun das Ende. Man stelle sich also die Passagiere auf dem berühmten Schiff vor, (Titanic? ) die mit verschraubten Neologismen vom Ertrinken gefachsimpelt hätten, während ihnen das Wasser schon in die Nase lief.
Was meinst Du mit wucherndem Begriffssystem? Welche Neologismen meinst Du?
“Diese ganze Untergangsphilosophie wäre ja ein unerhörter Witz, wenn einer wirklich glauben wollte, das sei nun das Ende.”
Den Satz verstehe ich nicht. Wenn ich die Verneinung bilde, wird der Satz auch nicht klar, z.B.:
Wenn ich glaube, daß sei N i ch t das Ende, dann ist die Untergangsphilosopie K ei n unerhörter Witz???
Wie soll ich den Beitrag verstehen?
In 1780 war Goethe ein voll erwachsener, voll tätiger junger Mann.
In 1880 war Nietzsche ein voll erwachsener, voll tätiger junger Mann.
Die Distanz zwischen mir und Nietzsche ist demnach grösser als jene zwischen Nietzsche und Goethe. Man merkt es wirklich obigen Beiträgen nicht an.
Soll das bedeuten, daß Gedanken, wenn sie nur alt genug sind, falsch sind? Das ist für mich unverständlich.
Es geht doch nicht um richtig oder falsch, sondern um gut oder eben leider nicht so sehr gut und diese Wertung bezieht sich nicht auf irgendwelchen Gedanken.
Ich kenne niemanden, der Nietzsche als Philosoph bedingungslos empfehlen würde. Jedermann sagt “ja, aber”. Ich empfehle ihn mitunter den grösseren Kindern, damit sie rechtzeitig sehen, dass es all dies einmal gab. Und dann sag ich ihnen, sie sollen Englisch lernen.
.
Mir streuben sich die Nackenhaare bei dem was Cantueso so beschreibt.
Hier liegt ein großer Trugschluß vor, der gar nicht so einfach selbst für den klugsten Menschen zu verstehen ist. Folgendes versuche ich zu erklären. Wissenschaften sehen die Dinge der Natur a priori in Anschauung durch Verstand. Die Vernunft reflekliert das Erfahrene des Verstandes und setzt dem Regeln bei. Unsere unmittelbare Anschauung der Welt sowie die mittelbare Vernunftsfähigkeit sind der Kausalität unterworfenen. Ursache und Wirkung sind ständiger Begleiter in unserer menschlichen, unvollkommenen Wahrnehmungsfeld; ein Dasein ohne dieses Zusammenspiel wäre unvorstellbar in einem Raum,der Zeit und wir als Materie umfasst. Deshalb kann eine Wissenschaft egal ob sie Kosmologie, Evolutionslehren, Sprachforschung etc. betreiben immer nur schrittweise Entdeckungen in einem unvorstellbaren Milliarden von Sonnen und Galaxien umfassendem Universum. Dabei sind sie sehr nützlich, wohl auch sehr präzise Lehren. Ja, wir haben so unglaubliches Wissen angehäuft. Hervorzuheben die Errungenschaften der Astrophysik, dank dem Hubbleteleskop ist es sogar möglich in das junge Universum zu blicken und dann noch diese unserer gesamten Realität sprengende Indiz eines Urknalls. Menschen machen Naturgesetze, um die Unbegreiflichkeit begreiflich zu machen.
So ist doch alles Nihilismus. Das Leben ein einziger Traum, sowei Plato andeutete haben Philosophen das besondere Erlebnis, wenn sie ernsthaft Philosphie betreiben auch aus dem Traum zu erwachen…….
@stefan
Ich glaube Nietzsche würde alles, was zwischen “Wissenschaften…” und “…die Unbegreiflichkeit begreiflich zu machen” nicht als wahr gelten lassen, sondern es als eine bestimmte perspektivische Sicht unseres Denkens auf die Welt, neben anderen möglichen Sichten bezeichnen. Es gibt die absolute Wahrheit nicht, sagt er, alles ist relativ im so verstandenen Sinn. Den Anspruch Platons, beschrieben im Höhlengleichnis, Wahrheit zu erkennen, lehnt Nietzsche ab.
Zu guter letzt: Nietzsche ist ein begnadeter Schriftsteller und Dichter. Seine Analyse der gesellschaftlichen und geistigen Situation des letzten und des aktuellen Jahrhunderts sind scharfsichtig, aber ich glaube, daß man seinen Argumentationen nicht immer folgen muß.
Ich bemühe mich die philosophischen Thesen/Theorien eines Menschen von dessen Person zu trennen. Sicherlich kann eine Betrachtung von Philosophie und Philosoph wichtige Aufschlüsse über Hintergründe zu einer These/Theorie geben aber gerade bei Nietzsche scheint dies problematisch zu sein.
Gerade bei Nietzsche treffe ich desshalb die Unterscheidung zwischen seinen Thesen/Theorien und seiner Meinung welches beides in seinen Werken zu finden ist.
Wie Leuchtspur geschrieben hat:
“Es gibt die absolute Wahrheit nicht, sagt er, alles ist relativ im so verstandenen Sinn. ”
Die perspektivische Interpretation ist auch auf Nietzsches Aussagen/Meinungen anzuwenden. Und möchte behaupten das hätte er auch so gesehen.
Ja, das mag ja so sein. Aber solange er die Sprache benutzt, bringt er sich mit seiner Behauptung, es gäbe keine Wahrheit, in einen Selbstwiderspruch.
Für eine Weiterführung des Nihilismus, welcher nicht im Erkennen des Mangels immanent objektiv-gültiger Werte endet (Fatalismus), sondern diese Erkenntnis dazu nutzt, gesünderere, integralistische, holistische und realistischere Werte wie die Moderne sie bietet (Wie man mit dem Hammer philosophiert) zu schaffen, besuche man bitte die Website der Deutschen Nihilistischen Gesellschaft (G.N.U.S.) .
Nihilismus, Heroismus, Pragmatismus, Idealismus, Traditionalismus in deutschem Maßstab : http://www.anus.com/tribes/gnus
WordPress Propaganda Blog:
http://nihilistischegesellschaft.wordpress.com/about/
Obwohl der Kommentar wohl primär als Werbung für das weblog der nihilistischen Gesellschaft gedacht ist, sei eine kurze Anmerkung erlaubt:
Wenn die Erkenntnis, daß es keine objektiv gültigen Werten gibt, richtig ist, so sind die Menschen die alleinigen Erzeuger ihrer Werte.
Dabei ist klar, daß wir schon je mit einem vorgegebenen Satz von Werten in jeder Gesellschaft leben.
Nun gilt es aber, diese zu begründen, nicht zuletzt, um sie dem Relativismus zu entziehen.
Man könnte sagen, daß die Natur die alleinige Quelle unserer Werte ist, nach der Devise “Was natürlich ist, ist gut.” Das wird aber allgemein als naturalistischer Fehlschluß abgelehnt.
Als einziger Prüfstein für die Frage nach dem was gut ist, bleibt also die Vernunft. – Oder? -Aber die Vernunft verhält sich zur Frage, was gut ist, völlig neutral.
Ich kann den Kategorischen Imperativ mit Vernunftgründen genau so stützen, wie das Gebot, daß alles was dem Nutzen meiner Rasse dient, gut ist.
Wenn also der nihilistische Verein sich anschickt, integralistsche, holistische, gesündere und realistischere Werte – was immer das sei – zu kreieren, so muß er sie begründen.
Und auf diese Gründe wäre ich sehr, sehr neugierig!
Beste Grüße
PS. Als Literatur empfehle ich “Der Herr der Fliegen” von William Golding
Berechtigte Frage. Unser Maßstab ist das Leben/Realität :
http://www.anus.com/zine/philosophy/
Aufgrund Ermanglung an Zeit wird dieser Link hoffentlich deine Frage beantworten.
Beste Grüße
GNUS
“Berechtigte Frage. Unser Maßstab ist das Leben/Realität : ”
Selbst für einen geringen Zeitaufwand ist diese Antwort völlig unbefriedigend.
Es stimmt sicher, daß man heutzutage mit seiner Zeit sorgfältig umgehen muß; deswegen macht mich die gegebene Antwort auf den angegebenen Link nicht neugierig.
Beste Grüße!
Nun, ebenfalls berechtigte Antwort
Wenn schon Werbung, dann auch schmackhaft…
Was macht Menschen auch längerfristig zufrieden, über die Summe kurzer Glücksmomente hinaus ?
- Familie, Freunde und Zeit, sie ihnen zu widmen, elementare Bedürfnisse, einen Trost aus der Belanglosigkeit der Existenz, eine Aufgabe gerne und mit der Gewissheit der Gemeinschaft einen wertvollen Dienst erfüllen zu können.
Kurzweilige Konsumgüter, sozialer Status, Unterhaltung und das unpersönliche “Might is right” Arbeitsklima vermögen dies nicht dauerhaft diese zu ersetzen.
Was ist besser, nur einen Faktor als Ursache im Spiel des Ganzen zu beurteilen oder mehrere gleichzeitig zu berücksichtigen ? Was ist besser, exotische Tiere in Zoos zu sperren und schmutzig-graue Betonbauten soweit das Auge reicht, viele Millionen Hektar frei entblößtes Land mit Vieh- und Ackerböden oder artenreiche Natur, Vielfalt und prachtvolle Wildnis ? Was ist besser, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, was über das eigene Leben hinausgeht, oder die Verfolgung individueller Bedürfnisse ohne Rücksicht auf das holistische Gefüge der Welt und aktueller, sowie kommender Generationen ? Was ist besser, soziale Wahrheit, die angenehm klingt, aber nicht realistisch ist oder Realität, möge sie auch hart sein, zu aktzeptieren und das Beste draus zu machen ? Was ist besser, 8 Stunden am Tat sitzend Papier herumreichen zu müssen, während das Leben an einem vorbeizieht oder so wenig wie möglich arbeiten zu können, draußen die Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, und etwas nachzugehen, was man genießt zu tun ? Was ist besser, sinnvolle Aktivität im Freien & Drinnen (physisch, mental) oder mediale Betäubung gegen Langeweile und erzwungene Selbstreflexion ? Was ist besser, geistige Seichtheit oder ein intensiveres Erlebnis des Seins ? Was ist besser, die Schuld im Externen oder in Anderen zu suchen aus Angst, für seine Taten selbst verantwortlich zu sein oder frohen Mutes sich eingestehen, dass man sein eigenes Schicksal schmiedet ? Warum haben wir Angst vor dem Tod, wenn wir unser Leben doch so konstruktiv leben könnten, dass wir den Tod transzendieren ? Warum stellen wir Tonnen an sinnlosem Gegenständen der Unterhaltung und der Statussymbole her, deren Herstellung und Material, Erde, Mensch und Tierwelt vergiftet, wenn es doch nur so weniges ist, was wir wirklich brauchen ? Warum fühlen sich viele Menschen so unerfüllt, depressiv und gelangweilt ? …
Auf der Indifferenz zwischen Relativismus und dem Fehlen absoluter Wahrheiten auszuharren, führt zu nichts. Objektive Begründungen gibt es eben nicht, Antworten liegen in unserem Innern, das uns sagt, was wir vom Leben wirklich erfahren möchten und unserer sensorischen Realität, sowie u.a. wissenschaftlichen Modellen, die uns Wahrscheinlichkeiten aufzeigen, was pragmatisch-realistisch möglich ist. Unsere “holistischen, integralistischen, gesünderen und realistischeren Werte” arbeiten auf das Ziel eines Lebens frei von Angst, Oberflächlichkeit und stattdessen auf das Ziel der Ästhetik und geistig erfüllender Erfahrung hin. Was unserer Meinung nach Ästhetik ist, mit welchen Werten, Ideen und Methoden wir das erreichen möchten und warum wir glauben, dass sie zu erwünschter Erkenntnis führen, steht unter obigem Link. Man fühle sich frei, nicht mit Methoden, Ideen und Zielen oder unserer Analyse der aktuellen Weltverfassung einverstanden zu sein und andere Wegzeichen zu befolgen, die ihn hoffentlich zum “Guten” weisen. Die Zeit wird es zeigen.
Vielleicht hat dich dies hat zumindest zur weiteren Lektüre motiviert.
Gruß
leere
Hallo Leere, lieber Freund,
was mir auffällt ist, daß in Ihrer Antwort dauernd davon die Rede ist, was besser ist. Aber nach Ihrer nihilistischen Philosophie gibt es doch das Gute nicht, auch nicht das Bessere, denn um das zu erkennen, muß ich eine Vorstellung vom Guten haben. Schlimmer noch, wenn es das Gute nicht gibt, so ist alles doch gleich gut und es nur eine Frage der Gewohnheit oder der Macht, was als Wert gilt.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!
Grüße Leuchtspur,
“Gute” ist nicht umsonst in Anführungszeichen gesetzt. Es lässt sich nicht konkret definieren, ist also stets subjektiv. Die Aneinanderreihung von Fragen sollte eher dahin führen, uns zu fragen, was wir als Menschen vom Leben und der Welt mitnehmen möchten und was unser Innerstes auf Dauer zufrieden und glücklich macht . Dieser Ansatz ist zwar genausowenig absolut “besser”, wie sich seiner Leidenschaft des Fäkalien-Essens hinzugeben, wir müssen uns nur eben klar werden, was wir mit der Zeit anfangen möchten, die uns gegeben ist. Der Mensch allgemein hat Bedürfnisse und Nöte, welche durch unsere heute Lebensweise und Kultur, unserer Meinung nach, eher unterdrückt werden.
Nach nihilistischer Idee ist auch der Nihilismus nichtig, ja. Wer ein wenig unsere Seite gelesen hat, wird feststellen, dass wir vielmehr Überwinder des Nichts sind und Nihilismus vielmehr als Werkzeug benutzen, um einen möglichst klaren Blick, “jenseits von Gut und Böse”, auf die Struktur und Wirkungsweisen der Welt zu ermöglichen.
Wünsche ein schönes Julefest/Feiertage/Weihnachten
leere
Hallo Leere,guter Freund, halten wir also fest:
Gut ist, wie Sie schreiben, ein subjektiver Begriff.
Das Individuum kann auf die Kategorien Gut/Schlecht nicht verzichten.
Nun sagen Sie, daß was für den einen gut ist, findet der andere schlecht, so daß man daraus schließen könnte es gibt kein überindividuelles (gesellschaftlich) gültiges Gut oder Schlecht.
Was ist die Konsequenz?
Es bedeutet doch, daß jeder Wert gesellschaftlich gesehen gleichwertig ist. Nehmen wir also ein Beispiel, welches Nietzsche entlehnt ist:
Wenn jemand sagt, es ist gut, die Schwachen zu schonen, so ist nach nietzscheanischer Auffassung genau das Gegenteil richtig.
Beispiele ließen sich in Fülle anhängen.
Wenn das also richtig ist, so wäre es nur eine Frage der Macht, was als Gut zu gelten hat. – Ein überaus unbefriedigendes Ergebnis.
Zu Ihrer hedonistischen Philosophie
“Der Mensch allgemein hat Bedürfnisse und Nöte, welche durch unsere heute Lebensweise und Kultur, unserer Meinung nach, eher unterdrückt werden.”
Darüber ließe sich sicher eine Menge sagen. Hier nur eins: Warum sollten Eltern Kinder in die Welt setzen, eine überaus kostspieliges Unternehmen? Warum sollte man auf irgend etwas verzichten?
Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest!
Grüße Leuchtspur,
“Gut ist, wie Sie schreiben, ein subjektiver Begriff.
Das Individuum kann auf die Kategorien Gut/Schlecht nicht verzichten.
Nun sagen Sie, daß was für den einen gut ist, findet der andere schlecht, so daß man daraus schließen könnte es gibt kein überindividuelles (gesellschaftlich) gültiges Gut oder Schlecht.
Was ist die Konsequenz?
Es bedeutet doch, daß jeder Wert gesellschaftlich gesehen gleichwertig ist. Nehmen wir also ein Beispiel, welches Nietzsche entlehnt ist:
Wenn jemand sagt, es ist gut, die Schwachen zu schonen, so ist nach nietzscheanischer Auffassung genau das Gegenteil richtig.
Beispiele ließen sich in Fülle anhängen.
Wenn das also richtig ist, so wäre es nur eine Frage der Macht, was als Gut zu gelten hat. – Ein überaus unbefriedigendes Ergebnis.”
Zum Ding an sich lässt sich eben nicht vordringen, also auch nicht zum eigentlichen “Guten”. Sie stimmen mit mir doch aber überein, dass es gewisse Grundwünsche, wenn auch unbewusst, welche der Großteil der Menschheit miteinander teilen, die sie auf mehr oder weniger erfolgreiche Weise zu erlangen versuchen. Beispielsweise Familie, Identität, einen Platz im Leben und eine Aufgabe zu haben, Sinn in seinem Leben zu erfahren. Immanente Wünsche, unserer Natur als soziales Wesen gemäß:
“Every civilization needs a narrative. This consensus describes the origins of the civilization, its ongoing but unattainable goal, and what its values and methods are to achieve that.
The best goals are not tangible ones, but goals that can grow over time, like we compete against ourselves with our personal goals. For most, the goal is tied to a land, a worldview, a values system and people like themselves.
Immanent goals are patterns which naturally make sense given a certain situation. These do not change over time because humans do not change. When these occur as a part of the growth of a civilization, we call them “organic” goals.
Organic societies are logical responses to their environments. They exist on a “whole” level, or one that considers all factors at once. They are the opposite of linear modernist societies, which consider only one factor at a time.
Where control societies encourage us to think in terms of one condition being true at a time (logical OR), parallelism encourages us to see how many can be true at once (logical AND). Organic societies are cooperation, not control, based.
Parallelism tells us there is no one way all people should live, but that different societies should use different methods toward the same goals. Those that adapt to reality using their specific method will thrive over time.
Further, parallelism does not attempt to repeat the past nor does it throw away learning. History is our laboratory and science is our method. Parallelism encourages us to accept modern society, centralization, technology — and use them wisely.”
Wie bereits angedeutet kann der Sinn einer Gesellschaft auch ein völlig anderer sein. Nur wohin dies letztendlich führt, zum Verfall oder zur Blühte wird sich zeigen. Nun lässt sich ebenso über das Ziel einer blühenden Hochkultur streiten, letztlich kommt es darauf an, was man präferiert. Schwache zu schonen mag in der einen Situation gut oder von Nutzen sein, in anderen wiederum nicht. Meta-Gut ist der Begriff, welcher hier greift. Erst in ihrem Kontext zum Ziel ergibt sich der Wert einer Handlung.
“Zu Ihrer hedonistischen Philosophie
„Der Mensch allgemein hat Bedürfnisse und Nöte, welche durch unsere heute Lebensweise und Kultur, unserer Meinung nach, eher unterdrückt werden.“
Darüber ließe sich sicher eine Menge sagen. Hier nur eins: Warum sollten Eltern Kinder in die Welt setzen, eine überaus kostspieliges Unternehmen? Warum sollte man auf irgend etwas verzichten?”
Da haben sie etwas falsch verstanden, wir stellen uns gegen die hedonistische Konsum – und Spaßgesellschaft. Ehre und Aufopferung sind uns mehr wert, als Kurzweiligkeit und Selbstsucht. Auch hier fehlt wieder der objektive Beleg, was denn nun wertvoller ist, jedoch frage ich mich, weshalb in unserer modernen Welt soviele Menschen an Depressionen erkranken, von Neurosen und Paranoia befallen sind und denen in der Vielzahl an Unterhaltungsmöglichkeiten ein sicherer Anker in ihrem Leben fehlt, sich in oben genannten Krankheitsmustern äußernd…. Zeichen einer gesunden Gesellschaft ?
http://www.anus.com/tribes/gnus/entry/15/Existentialistisches_Manifest
“Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest!”
Nun, ich wünsche ihnen inzwischen und nachträglich ein erfolgreiches, neues Jahr
Grüße
leere