Meine Damen und Herren!
Der Homo sapiens fidei(1) athetatos (Hosafiathea) ist eine Subspezies des weltweit verbreiteten Homo sapiens fidei. Der Hosafiathea kommt fast ausschließlich in der westlichen Welt vor, ein überaus merkwürdiges Phänomen. Diese Subspezies ist vor ca 200 Jahren zu ersten Mal in Europa beobachtet worden, hat sich dann schnell nach Amerika ausgebreitet, scheint aber dort in den letzten Jahrzehnten an Boden zu verlieren.Der Hosafiathea ist zweifellos aus dem Homo sapiens fidei theatos, kurz Hosafithea hervorgegangen. Beide bilden zusammen zwei kulturgenetische entstandene Unterarten, vorauf schon Müller -Lüdenscheid in seinem vielbeachtenten Aufsatz: Die metaphysischen Wurzeln des Abendlandes – hingewiesen hat. Um nun die beiden Unterarten, die gewissermaßen als konkurrierende Meme aufgefaßt werden müssen, – ja meine Damen und Herren, ich sage es ganz bewußt: müssen! – genauer zu bestimmen, sollen ihre charakteristischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beleuchtet werden.
Die besonderen Merkmale des Hosafithea
(in dieser Charakterisierung stütze ich mich besonders auf Einhard von Clairveaux ;927 bis 951):
Grundlegendes Merkmal ist der Glaube an eine transzendente Macht. Diese Tranzendens ist der Bezugspunkt für alle Sinnfragen, auch der Bezugspunkt für ethische Orientierung, also für das was gut und was böse ist, und für das Phänomen Wahrheit. Die Hosafithea gibt es in verschiedenen Schmuckformen, die gleichermaßen als Erkennungsformen und Signalformen gedeutet werden können. Im Großen und Ganzen kann man sagen, daß die verschiedenen Formen der Hosafithea relativ unleidlich untereinander sind, und daß in ihren Schmuckformen mitunter erhebliche Dissonanzen zu beobachten sind, die leider nicht immer nur ästhetischer Art sind. Zur Philosophie der Hosafithea gehört eine ausgearbeitete Soziallehre, die man vorbildlich nennen kann, die jedoch in der Praxis manch einem Vertreter dieser Unterart Gehschwierigkeiten bereitet. Da die Hosafithea die ältere Subspezies ist, bildet sie den Mainstream, der im Allgemeinen von der anderen Subspezies wenig Notiz nimmt.
Die besonderen Merkmale der Hosafiathea
(Diese Charakterisierung stützt sich auf keinen Geringeren als den großen Malebranche von Lille:)
Die Hosafiathea hängen ebenfalls einem Glauben an, sagt der Lilleaner, nämlich dem, daß es die oben bei den Hosafithea beschriebene Transzendenz nicht gibt. Das Grundmuster ihrer Zeichnung ist die Ratio. Da sich die Ratio bei ihnen stets und ausschließlich auf sich selbst bezieht, sind sie in Gefahr einem hoffnungslosen Relativismus anheim zu fallen, meint Malebranche. Mit ihrer Signalfarbe Ratio suchen sie sich demonstrativ von den Hosafitheas abzusetzen. Im Übrigen bestimmen sie sich dadurch, daß sie reflexartig auf die inkonsistenten Schmuckformen der Hosafitheas zeigen. Unter den Hosafiatheas gibt es, so Malebranche, eine größere Angespanntheit und auch kulturelle Aggressivität, was durch ihren Minderheitsstatus erklärlich sei. Das kann ich durch meine Feldforschungen bestätigen. So traf ich letzthin einen Mann, der, wie ein Bekenner, sich als Top – Atheisten ausgab, da er in vorderster Front – er wohne nur wenige Meter von einer Kirche – mit seiner Familie dort die Stellung halte. In einem anderen Fall geriet ich in eine Siegesfeier, in der ein Häufchen Hosafiatheas sich in einen Siegesrausch redete und dabei in die mickrigen Reste der Schützengräben der Hosafitheas herabzublicken glaubte. Nach jedem Humpen riefen sie: Wir haben gesiegt! – verzeihen sie, aber es erinnerte mich an eine archaische Gespenstersitzung.
Zusammenfassung:
In gewisser Weise erscheinen beide Subspezies als siamesische Zwillinge, deren Köpfe getrennt, deren Körperhälften aber weitgehend noch dasselbe tuen. Von Außen, aus dem nicht occidentalen Bereich betrachtet, scheint die Aufspaltung eher marginal hinsichtlich der Hosafiatheas. Jedoch haben Letztere seit 200 Jahren die Hoffnung, daß sich mit zunehmendem Raisonnement ihre Spezies durchsetzen wird. Zu den Merkwürdigkeiten des Prozesses gehört jedoch, daß der Hoseafiathea in Osteuropa, wo seine Lebensbedingungen über Jahrzehnte weg gut war, nach 1990 weitgehende auszusterben droht.
Meine Damen und Herren, ich danke für ihre Aufmerksamkeit
1) fides, fidei = der Glaube

Nix verstandn! Ist das eine Parodie? Und wenn ja, wovon?
Nochmal lesen
Ja, aber wer oder was ist gemeint?
Ganz klar: an Gott Glaubende vs. Atheisten, die meinen, Gott bestehe nur aus Einbildungskraft