.„Ransbach meinte, daß das was die Naturwissenschaft uns erzählt, die ganze Wahrheit nicht ist. Es sei immer nur die Oberfläche und dazu auch nur eine Oberfläche, der bestimmte Merkmale fehlen. Er meinte, die Wissenschaft kenne zwar Töne, jedoch nicht die Musik, sie sähe wohl auch die Farben, wenn man so wolle, aber nicht das ganze Bild. Und es sei völlig unbewiesen, daß man mit Naturwissenschaft die ganze Welt und das ganze Leben erklären und zudem auch noch verstehen könnte, wo doch die Naturwissenschaftler noch nicht einmal wissen, was ihnen da durch die Finger rinnt, sei es die Zeit, die Materie oder ihr Leben. Insofern gebe es sehr wohl noch Hinterwelten, meinte Ransbach.“

Der Ausdruck „völlig unbewiesen“? Und dies auf ein „können“ bezogen? Ich meinte, seit Popper nehme jedermann an, dass die Naturwissenschaften nur provisorisch, nicht endgültig, und nicht Wahrheit, sondern Nutzbarkeit oder Richtigkeit liefern. Er sagt doch (soviel ich weiss), es sei jedes Ergebnis nur da, um später mit besseren Daten widerlegt zu werden.
Hallo!
In der kleinen Story geht es um den unbegründeten Anspruch vieler Materialisten / Physikalisten, man könnte alles auf die Gesetze der Physik reduzieren. Ich denke, daß das naturwissenschaftliche Weltbild eine Abstraktion ist, die wesentliche Aspekte des Lebens nicht erklären kann. – Etwas anderes ist die Frage nach dem „Wahrheitsgehalt“ naturwissenschaftlicher Aussagen, wobei der Ausdruck „Wahrheitsgehalt“, wie Sie richtig anmerken, schon falsch ist, geht es in der Naturwissenschaft doch primär um Funktion. Wir setzen in unserer Alltagspsychologie nur allzu leicht richtiges Funktionieren gleich Wahrheit.
Viele Grüße nach Spanien, wenn ich das recht gesehen habe!
Grüezi!
I am from Switzerland but seit einiger Zeit arbeite und wohne ich hier, in Madrid.
Zunächst dies: Dein Nick is not linked. Mein Nick zeigt dem Leser meinen WordPress-Blog. Soviel ich weiss, musst Du oben rechts „Profil“ aufklicken und dort als URL die Adresse Deines Blogs=http://leuchtspur.wordpress.com/ eintragen (zweimal?), sonst können andere Leser meines Blogs Dich nicht auffinden.
Ich kenne niemanden in den Naturwissenschaften, der weltanschauliche Ansprüche erhebt. Vielleicht kommt’s aufs Alter an? Mit der Zeit merken sicher alle, dass man mit den Gesetzen der Physik, der Chemie oder der Biologie kaum Zeitung lesen und eine Parlamentsdebatte nicht verstehen kann, auch nicht weiss, wie man die Kinder erziehen sollte oder was einer in der Kunstgallerie sagen oder denken soll.
Einewäg, denk wie nützlich die Unterscheidung von Wissenschaft und Disziplin ist. Zum Beispiel Rechtslehre. Das besteht wie aus Lehrsätzen, einer auf dem andern aufgebaut. Diese Lehrsätze muss man kennen, damit man mitreden kann. Psychologie und Theologie funktionieren auf diese Weise. Z.B. der Begriff der Depression (Dein Beispiel auf meinem Blog) muss irgendwo definiert sein.
Hallo!
Ich hoffe, daß das mit der Verlinkung jetzt klappt. Danke für den Hinweis!
Zu den weltanschaulichen/philosophischen Ansprüchen einiger Naturwissenschaftler:
Auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes ist zur Zeit eine Menge los. Da geht es um den freien Willen, der von einigen Neurologen in Abrede gestellt wird (Singer, Roth, Libbet, u.a.). Da geht es um den Anspruch, Bewußtsein, und andere geistige/seelische Qualitäten auf Chemie und Physik reduzieren zu können. In Summe also eine spannende Auseinandersetzung.
Was die Unterscheidung von Wissenschaft und Disziplinen angeht, so sehe ich das auch so, mit der der Einschränkung, daß überall da, wo es sich um empirische Aussagen (auch in der Psychologie) handelt, diese prüfbar sein müssen, alles andere wären Axiome.
Wenn jemand sagt, eine Depression wird durch Serotoninmangel verursacht, so macht er eine prüfbare empirische Aussage, sagt er jedoch, der Teufel sei dafür verantwortlich, so ist das in diesem Fall völlig unwissenschaftlich.
Viele Grüße!
Aber das gehört doch eher in die Medizin (Psychiatrie)?
Vielleicht verwendet man Serotonin und ähnliches in der Psychologie, aber die Forschung, die dies ermöglicht, und die Versuche, die finden doch im Medizinlabor statt?
Gruss.
Das ist wohl richtig, vielleicht war das ein schlechtes Beispiel. Ich bin kein Psychologe. Nehmen wir also eins der Persönlichkeitsbilder, die bei Boeree zusammengestellt sind. Dort werden empirisch gewonnene Tatsachenaussagen gemacht, die, wenn sie wissenschaftlich relevant sein sollen, natürlich prüfbar sein müssen. – Wenn ein Mensch heute sagt, jedes Phänomen, z.B. das Bewußtsein, läßt sich auf die bekannten physikalischen und chemischen Gesetze reduzieren, dann macht er eine Aussage, die sich auf eine Tatsache bezieht und die müßter er zuerst einmal beweisen, z.B. durch eine überzeugende Reduktion. Davon sind aber Neurologen und wer sich sonst noch damit beschäftigt, z.Zt. noch meilenweit entfernt. Insofern handelt es sich bei solchen Hypothesen, um einen Ausdruck Poppers zu verwenden, eher um einen versprechenden Materialismus und natürlich um Metaphysik, also nicht um eine empirisch gewonnene Aussage.
Nun steht aber in der Eingangsstory, daß die Naturwissenschaften nicht die ganze Wahrheit sind. Diese Aussage stellt sich für mich so dar, daß selbst die Antworten der Naturwissenschaften zu ihrer ureigensten Sache, z.B. der Frage nach der Materie, wahrscheinlich – und das ist systemimmanent, da sich Nat.Wiss. nur mit objektiven Phänomenen beschäftigt – eine Abstraktion darstellen. (siehe:Panpsychismus)
Viele Grüße!
Du sagst „Wenn ein Mensch heute sagt, jedes Phänomen, z.B. das Bewußtsein, läßt sich auf die bekannten physikalischen und chemischen Gesetze reduzieren, dann macht er eine Aussage, die sich auf eine Tatsache bezieht und die müßter er zuerst einmal beweisen“, aber diese Aussage bezieht sich nicht auf eine Tatsache, sondern wäre höchstens, wie Du selbst feststellst, eine Hypothese und verdient für mich auch diesen Namen nicht, denn mein Chip funktioniert mit Kant, und so sind derlei Dinge für mich die psychisch und subjektiv notwendige Suche nach Ordnung.
Dass jenes Abstraktionen seien finde ich selbstverständlich. Du operierst mit Begriffen. Ein Begriff ist eben eine Abstraktion.
Was Panpsychismus ist, weiss ich nicht, sieht aber als Wörtchen gar gruuselig gruusig aus. Wir haben zudem hier schlechtes Wetter, aber ich will es dennoch googeln gehen.
Jetzt habe ich schon wieder zu fragen vergessen, was Dein Avatar bedeutet, denn man kann es nicht gut sehen. Da iast eine Tür, und zum Türspalt heraus kommt eine Hand mit ….einem Besen?
Besen!!! Google mal unter Grab Rousseau (Bild)!
Hallo!
Was bedeutet das?
„denn mein Chip funktioniert mit Kant, und so sind derlei Dinge für mich die psychisch und subjektiv notwendige Suche nach Ordnung.“
Viele Grüße!
Grüezi!
Buenos días. Ich muss noch ein paar Weihnachtskarten schreiben, verschtöndsi? = swiss for „verstehen Sie? Es hapert = swiss for „geht langsam“.
Bis nachher für jene „psychisch und subjektive“ Phrase, die jedoch keine Phrase, sondern nur eine Art Kurzform ist.
Gruss
Nochmals grüezi, und ich habe die Neujahrskarten alle geschrieben, aber nun eilt es mir erneut. Besuch.
Ich orientiere mich sehr an Kant, den ich aber nur streckenweise und nur insofern verstehe, als ich ihn auch in meine eigenen Sprachgewohnheiten aufnehmen kann, okay?
Ergo ist es so, als ob die Sprache vordisponiert, was einer verstehen und denken kann.
Oder anders gesagt: es meint einer, er beschäftige sich mit Politik oder Ethik oder Gott: aber er beschäftigt sich nur immerzu mit Begriffen und an diesen orientiert er sich oder verwickelt sich drin………………………
Gruss.
Ja, mit den Begriffen ist es ein schwieriges Ding. Es ist mir schon klar, daß wir nur die Begriffe haben und nicht die Dinge an sich, aber ich glaube nicht, daß uns mit den Begriffen eine babylonische Verwirrung gegeben ist. Ist es nicht egal, wie wir es nennen. Wenn wir über Politik (z.B.) reden mag es sein, daß einer glaubt, mit Begriffen zu hantieren, ein anderer glaubt über Politik an sich zu reden. Die Frage, ob wir über Begriffe reden oder diese Dinge als Entitäten verstehen, ist eine Diskussion in einer Metaebene, denke ich.
Doch. Ich weiss nicht, ob dies auch Kant wäre, stelle mir aber die Begriffe insgesamt als ein Koordinatensystem vor. Man orientiert sich daran, findet halt daran. (Man hat mir auch gesagt, das sei Wittenberg.)
Aber Mir scheint, Du gibst zu viel auf die Methode. Warum denkst Du nicht einmal an die Resultate? (Nun das ist Kant:) vergleiche die Naturwissenschaften mit den sogenannten Geisteswissenschaften …. oder erzähle mir von einer Einsicht der Geisteswissenschaften, die länger als etwa 20 Jahre hielt.
All die Forschung und die schrecklichen Terminologien, und nicht ein Fetzen Gewissheit?
Gut, bedenken wir die Resultate:
Zuerst die Naturwissenschaft: Die Naturwissenschaft zeigt uns, wie etwas funktioniert. Sie liefert – siehe Popper- keine Gewißheit. Aber der Erfolg der Naturwissenschaften ist offensichtlich. Die Frage ist jedoch, ob die Art und Weise wie die Menschen mit der Naturwissenschaft (=>Technik =>Wirtschaft) an die Natur herangehen nicht zuletzt doch der falsche, weil zerstörerische Weg ist.
Resultate der Philosophie:
Ein wichtiges Resultat ist, daß in der Philosophie Fragen gestellt werden, die letztlich für den Menschen lebenswichtig sind. (z.b. Fragen zum Geist-Materie-Problem seit über zweitausend Jahren)
Ein weiteres Resultat mit überwältigenden Folgen: Die Aufklärung (=>u.a. parlamentarische Demokratie) ; weiter Hegel => Marx, Engels => Kommunismus
Eine Anekdote:
Hegel wurde einmal vorgehalten, mit Philosophie könne man doch keinen Hund hinter einem Ofen hervor locken. Hegel: Es ist auch nicht die Aufgabe der Philosophie, Hunde hinter Öfen hervorzulocken.
Viele Grüße
*
(Re: Hegel-Zitat) Heine: Mit Syllogismen fängt man keine Mäuse.
Und ja, natürlich, ist Philosophie im Vergleich zu Naturwissenschaft doch eher lebensnah. Und der Ausdruck „Hinterwelt“ den ich doch im obigen Artikel sah, deutet auf einen geistig weit verbreiteten Kurzschluss.
Nun habe ich noch immer jenen Besen nicht aufgegoogelt. Rousseau, mir scheint, so heisse jene Insel im Bielersee beim Jura. Dort bin ich her.
Der Ausdruck „Hinterwelten“ stammt von Nietzsche, der damit religiöse Sichtweisen abqualifizierte.
Das Bild zeigt einen Arm, der eine Fackel aus einem geschlossenen Tor hält. Es befindet sich auf dem Sarkophag Rousseaus in Paris.
Also eine Nietzsche-Referenz. Gut. Aber der Ausdruck entspricht auch einer breit vorhandenen Vorstellung, dass Naturwissenschaft die Wirklichkeit darstelle und die Geisteswissenschaften demgegenüber nur Schein oder Traum.
Und dazu kommt, dass man in den Geisteswissenschaften seit langem die Naturwissenschaften in Sprache und sogar in den Methoden nachäfft. Wörterstatistik! (Ich schrieb einmal ohne jegliche Vorbereitung, wortwörtlich aus dem blauen, in Psychologie eine These um jemandem aus der Patsche zu helfen. Und das wurde angenommen.)